Komfortzone verlassen – Wie Beziehung unsere Komfortzone erweitert

Was ist die Komfortzone? Und wieso sollten wir sie verlassen wollen?

Die Komfortzone ist ein Konstrukt aus Gewohnheiten, Handlungen, Gefühlen und Gedankengängen. Eine Mischung aus Verhaltensweisen, die wir immer wieder wiederholen und die uns so bekannt sind, dass sie nichts mehr Neues darstellen. Die Komfortzone ist jener Bereich in unserem Leben, in dem wir uns bewegen können ohne von irgendetwas überrascht zu werden. Wenn ich mich bei der Arbeit auf diese bestimmte Art verhalte, werde ich genau die gleichen Resultate erhalten. Wenn ich immer die gleiche Strecke nehme um nach der Arbeit nach Hause zu fahren, wir mich sicherlich kein neuer Anblick fesseln. Wenn ich mich mit den Menschen treffe, die ich bereits seit langer Zeit kenne, werde ich ziemlich sicher von keinem in eine unangenehme Diskussion verwickelt.

Die Komfortzone ist genau das was das Wort sagt: Eine Zone des Komforts. Anders ausgedrückt könnte man auch sagen: ein sicherer aber langweiliger Bereich des persönlichen Lebens. Wer nie etwas Neues ausprobiert und sein ganzes Leben in der Komfortzone-Zelle absitzt ist zwar (meistens) vor negativen Überraschungen geschützt, er/sie ist aber auch unzugänglich für alle positiven Überraschungen! In der Komfortzone zu bleiben heisst davon auszugehen, dass man schon alles kennt, was das Leben zu bieten hat. Und dass die Dinge, die ausserhalb der eigenen Komfortzone liegen, den Aufwand nicht wert sind.

Die meisten Menschen schauen aus der Komfortzone heraus auf neue Dinge, die sie ausprobieren könnten und denken sich im Kopf aus, wie das wäre. Wenn diese Vorstellung nicht besser ist als die Sicherheit und der Komfort des Bekannten, dann wird das Neue schnell wieder verworfen.
Aber leider entspricht eine Vorstellung in unserem Kopf unglaublich selten der Realität. Die Komfortzone zu verlassen ist ein Unternehmen, das uns als Ganzes einschliesst. Wenn wir uns nicht körperlich, emotional und mental verändert fühlen nach einem Erlebnis, dann haben wir unsere Komfortzone nicht verlassen.
Stellen sie sich vor, wie viele Menschen schon Dinge verworfen haben, nachdem ihre Kopfkino-Version nicht befriedigend war, ohne das besagte jemals wirklich auszuprobieren!


Wieso sollte man die Komfortzone (wenigstens ab und zu) verlassen? Ganz einfach: Weil wir überhaupt keine Ahnung haben, was ausserhalb des uns Bekannten noch auf uns wartet!



Ich will in diesem Artikel ein Teil des Themas Komfortzone beleuchten, der oft nicht bewusst wahrgenommen wird, der aber der ausschlaggebendste Faktor ist, ob jemand sein Komfortzone verlässt oder nicht!

Wieso sollte man die Komfortzone (wenigstens ab und zu) verlassen? Ganz einfach: Weil wir überhaupt keine Ahnung haben, was ausserhalb des uns Bekannten noch auf uns wartet!

Ich will in diesem Artikel ein Teil des Themas Komfortzone beleuchten, der oft nicht bewusst wahrgenommen wird, der aber der ausschlaggebendste Faktor ist, ob jemand sein Komfortzone verlässt oder nicht!

Wenn wir Kinder im Spiel beobachten, fällt uns auf, dass sie in Minischritten immer wieder Neues ausprobieren. 

Ein Beispiel: Eine Mutter kommt mit dem Kind zum ersten Mal auf den Spielplatz. Zuerst klammert sich das Kind an die Beine der Mutter und Beobachtet nur. Irgendwann ist das gesehene verarbeitet und nicht mehr neu. Das Kind weiss jetzt durchs beobachten, was es ungefähr zu erwarten hat. Langsam löst sich das Kind von der Mutter und geht ein wenig in den Spielplatz hinein. Kurz darauf rennt es zurück um wieder in den sicheren Rahmen der Mutter zu kommen. Dieses Spiel macht das Kind so lange, bis sie sich auf dem ganzen Spielplatz wohl und sicher fühlt. Ihre Komfortzone hat sich um den Spielplatz erweitert.

Dies ist ein ganz natürlicher Prozess, der jeder Mensch als Kind durchmacht! Der Wille und die Lust Neues auszuprobieren und seine Komfortzone zu erweitern ist in jedem einzelnen Menschen vorhanden.
Was steht also diesem unschuldigen Ausprobieren in unserem späteren Erwachsenenleben im Weg? Natürlich Angst!


 

Woher kommt die Angst vor Neuem?

Die Angst, die dazu führt, dass Menschen jahrelang im sicheren Rahmen ihrer Komfortzone bleiben, hat ihren Ursprung in den allermeisten Fällen in Beziehungen zu anderen Menschen (ausser bei Schockerlebnissen wie das Erleben einer Naturkatastrophe).
Hinter dieser Angst stecken ungelöste emotionale Konflikte, die in der Vergangenheit mit wichtigen Bezugspartnern entstanden sind und bis heute unsere Entscheidungen und unsere Wahrnehmungen beeinflussen. Vor allem die Beziehung zu Mutter und Vater ist prägend für unsere Art wie wir mit Herausforderungen, Unbekanntem und auch Angsteinflössendem umgehen.
In meinem Blogbeitrag über ‚Verantwortung und Freiheit‘, beschreibe ich wie Kinder oftmals zu früh zu viel Verantwortung übernehmen müssen. Die tiefe psychische und physische Unsicherheit, die dies in Kindern auslöst, kann sich bis spät ins Erwachsenenalter hineinziehen und dazu führen, dass wir Herausforderungen und Veränderungen kritischer und ängstlicher gegenübertreten.

Die Mutter kommt mit dem Kind auf den Spielplatz, setzt sie dort ab und geht dann mit der Freundin auf der anderen Seite des Platzes reden. Wenn das Kind für die nötige Sicherheit zu ihr rüberkommen will, scheucht die Mutter sie weg ‚Geh jetzt spielen, ich bin am Reden!‘ Die Erforschung des Spielplatzes ist so für das Kind vor allem mit Unsicherheit geprägt.


Auf der anderen Seite dergleichen Münze sind Menschen, die als Kinder überhaupt keine Verantwortung übernehmen mussten und alles was sie wollten von den Eltern kriegten. Solche Menschen können oft gar keinen Grund erkennen, wieso sie ihre Komfortzone verlassen sollten und machen eher die Umwelt für ihre unbefriedigten Bedürfnisse verantwortlich. 


Um beim Beispiel der Mutter und dem Kind zu bleiben. Die Mutter begleitet das Kind überall auf dem Spielplatz hin und steht konstant neben ihr, versucht sie vor dem Umfallen zu bewahren etc. Das Kind kann so nicht in seinem eigenen Tempo und Rhythmus zwischen Sicherheit und Bindung und Neuheit und Autonomie pendeln. So kann eine Abhängigkeit entstehen und eine gleichzeitige verdeckte Rebellion, in der das Kind später extra gefährliche Dinge (ohne Sicherheit) tut, um Autonomie zu erleben.



Natürlich ist dieser Beschrieb der Funktionsweise der Angst vor Veränderungen und Herausforderungen hier sehr vereinfacht. In Wahrheit sind die internalisierten emotionalen Verstrickungen, die zu einer solchen Angst vor Veränderungen führen, viel komplexer und vielschichtiger. 

Zusammenfassend können wir aber sagen, dass es nicht nur die Erfahrung mit der Realität ist (ob wir auf dem Spielplatz umfallen, oder wir ausgelacht werden, wenn wir etwas Neues probieren) die einen Menschen vorsichtiger, die anderen draufgängerischer macht, sondern zu einem sehr grossen Teil davon bestimmt ist, wie wir auf die Situation reagieren. Und dieses Reagieren lernen wir grösstenteils in der Kindheit von unseren Eltern, also in Beziehung! 


Was hat das alles mit Beziehung zu tun?

Die Mutter kommt mit dem Kind auf den Spielplatz, setzt sie dort ab und geht dann mit der Freundin auf der anderen Seite des Platzes reden. Wenn das Kind für die nötige Sicherheit zu ihr rüberkommen will, scheucht die Mutter sie weg ‚Geh jetzt spielen, ich bin am Reden!‘ Die Erforschung des Spielplatzes ist so für das Kind vor allem mit Unsicherheit geprägt.

Wie wir in Beziehung zu anderen unsere Komfortzone verlassen können

Die Beziehung zu wichtigen Personen (für das Kind sind das die Eltern) erlaubt es uns in Situationen hineinzugehen, die für uns neu, ungewohnt und potentiell gefährlich aber auch potentiell gewinnbringend sind! 

Wenn diese Beziehung als Kind zu den Eltern nicht stabil genug war, dass wir sicher und autonom in neue Situationen gehen und uns ausprobieren konnten, können zwei Dinge geschehen:

  • 
Wenn die Sicherheit fehlte, internalisieren wir, dass die Gefahr zu gross ist um Neues zu wagen

  • Wenn die Autonomie fehlte, entwickeln wir entweder kein Interesse, selbst Neues zu entdecken und uns zu verändern, oder wir begeben uns immer wieder (fast schon zwanghaft) in gefährliche Situationen um Autonomie zu erleben.


Wenn die Sicherheit fehlt erscheint der potentielle Gewinn eines neuen Erlebnisses aus der sicheren Blase des Bekannten zu klein um diese gewaltig erscheinende Hürde zu überwinden. Die gewaltige Hürde ist die fehlende Unterstützung und Sicherheit! Für das Kind ist es die fehlende Unterstützung der Eltern. Für die erwachsene Person ist es die internalisierte fehlende Unterstützung. 
Denn die uns prägenden Beziehungen formen unser Selbstbild und unsere Wahrnehmung der Welt massgebend! Eine erwachsene Person, die als Kind diese Sicherheit nicht hatte, wird im Glauben aufwachsen, dass es diese Sicherheit nicht gibt! Und wird sich über andere wundern, die anscheinend soviel einfacher etwas verändern, etwas neues beginnen, etwas ungewohntes tun können! Wie überwinden die anderen diese gewaltige Hürde?!



Sie ist einfach nicht da! Sie ist nicht da, weil diese Menschen sich genug sicher fühlen. Weil sie Beziehungen haben oder hatten, die ihnen diese Sicherheit gibt oder gab. Beziehungen, in denen sie sowohl mit Sicherheit als auch mit Autonomie in ihrem eigenen Tempo experimentieren konnten.


Oder weil sie die internalisierte Unsicherheit erkannt haben und begonnen haben in Beziehung aus ihrer Komfortzone herauszukommen! Genau das ist nämlich die Lösung! Wir können immer noch Beziehungen haben, in denen wir mit Sicherheit und Autonomie experimentieren können!



Der erste Schritt heraus aus der Komfortzone ist zu erkennen, dass es nicht unsere Schuld ist. Wenn wir es noch so sehr versuchen und die Angst, die Bedenken, der Zweifel doch zu gross sind. Das liegt nicht daran, dass wir faul, unfähig, dumm sind. Es bedeutet, dass uns bis jetzt die nötige Unterstützung fehlte.
Das bedeutet auch nicht das wir nun verloren haben und für immer in der Komfortzone festsitzen (im Sinne: ‚Wenns nicht meine Schuld ist, kann ich ja auch nichts dagegen tun!‘). 
Dies ist eine feine Gratwanderung zwischen den polaren Extremen: Gegen die Angst kämpfen und zu versuchen sich raus zu pushen oder zu resignieren/kapitulieren und sich zurückziehen.

Falls du Interesse an dieser polaren Dynamik hast, empfehle ich dir das Buch: ‚Entwicklungstrauma heilen‘ von Lawrence Heller
.

Die Wahrheit ist: Diese beide entgegengestellten Handlungen, das ‚sich pushen‘ und das ‚zusammenfallen‘, sind beides Strategien um mit der fehlenden Unterstützung umzugehen. Es sind beides Wege, über die wir versuchen aus der Komfortzone rauszukommen. Aber was wir damit tun ist die Abwesenheit von gesunder Unterstützung zu unterstreichen. In diesem dialektischen Pendel zwischen kämpfen oder aufgeben, können wir die weiteren Optionen gar nicht erkennen!
Ich behaupte: Hinter jedem sich pushenden Einzelkämpfer und hinter jedem Gedanke von ‚Ich werd sowieso nie was, ich brauch gar nicht erst was neues zu versuchen‘, steckt ein kleines Kind, das zu wenig Unterstützung kriegt.
Und ich schreibe das bewusst im Präsens, weil dieses innere Kind die Unterstützung oft immer noch nicht kriegt!

Durch die meditative Achtsamkeit und das ‚reinzoomen’ auf das, was zwischen uns Menschen passiert, kommen wir schnell mit unserem Körper, unseren Gefühlen und Empfindungen in Kontakt und können beginnen die emotionalen Abläufe zu erkennen und zu verstehen. So entwickeln wir relativ schnell ein Bewusstsein für unsere eigentlichen Bedürfnisse (wie hier zum Beispiel Sicherheit und Autonomie) und können anfangen, diese direkt zu befriedigen. Indem ich zum Beispiel darum bitte dass jemand näher kommt, weg geht, mir die Hand auf die Schulter legt oder was immer es gerade braucht um eine Erfahrung von Sicherheit oder Autonomie zu ermöglichen.

Circling – In Beziehung die Komfortzone verlassen

Wie bereits beschrieben ist das Dilemma der Komfortzone ein Zusammenspiel der zwei Bedürfnisse Sicherheit und Autonomie. Die Sicherheit entsteht durch die Bindung an eine wichtige Person. Wir könnten also auch sagen, dass es um die Bedürfnisse Bindung und Autonomie geht. 


Unsere Handlungen in den Bereichen Bindung und Autonomie sind oft unbewusste Prozesse, in denen wir einfach auf die Erfahrung als Kinder zugreifen, ohne wirklich zu merken das dies passiert. 
Wenn dann eine Herausforderung oder eine neue Möglichkeit in unserem Leben auftaucht, passiert in unserem System ganz viel in kurzer Zeit und am Schluss verhalten wir uns so wie wir es als Kinder gelernt haben. Das ist ein ganz natürlicher Prozess, der jeder Mensch macht. Wenn wir mit etwas Neuem konfrontiert werden, greifen wir auf alte Erfahrungen zurück um aus dem Neuen Sinn zu gewinnen.
Problematisch wird das erst, wenn uns vergangene Erfahrungen daran hindern uns in Neue Bereiche des Lebens vorzuwagen, die gut für uns sind! Wenn wir also von den vergangenen Erfahrungen in einem Verhaltensmuster gefangen sind, dass es uns fast unmöglich macht etwas in unserem Leben zu verändern!
Die innere Spannung in solchen Momenten – wenn wir etwas verändern wollen, aber nicht können – kann enorm werden und zu den weiter oben beschriebenen Strategien führen: Kampf oder Kollaps.
 Allerdings kann bei beiden Strategien die Energie nicht für die tatsächliche Veränderung eingesetzt werden, sondern bleibt entweder im Bekämpfen der Angst oder in dem oft mit Resignation kommenden Selbstmitleid hängen.
Was fehlt ist die sichere Beziehung zu einer anderen Person, anhand welcher sowohl mit Sicherheit als auch mit Autonomie experimentiert werden kann!
Für Erwachsenen Menschen können dies Freunde, Partner/innen, Gruppen oder auch Therapeuten/Therapeutinnen sein. Der Rahmen für eine solche Erforschung von Sicherheit und Autonomie sollte aber klar gesetzt werden. Im Circling haben wir genau den Rahmen für ein solches transformatives Experimentierfeld


Im Circling machen wir drei Dinge im Bezug auf diese spezifische Dynamik der Komfortzone:


    • Durch die meditative Achtsamkeit und das ‚reinzoomen’ auf das, was zwischen uns Menschen passiert, kommen wir schnell mit unserem Körper, unseren Gefühlen und Empfindungen in Kontakt und können beginnen die emotionalen Abläufe zu erkennen und zu verstehen. So entwickeln wir relativ schnell ein Bewusstsein für unsere eigentlichen Bedürfnisse (wie hier zum Beispiel Sicherheit und Autonomie) und können anfangen, diese direkt zu befriedigen. Indem ich zum Beispiel darum bitte dass jemand näher kommt, weg geht, mir die Hand auf die Schulter legt oder was immer es gerade braucht um eine Erfahrung von Sicherheit oder Autonomie zu ermöglichen. 

    • Das Setting von Circling erschafft ein sicherer Rahmen und stärkt gleichzeitig die Selbstverantwortung. Circling ist wie ein Spielplatz für Erwachsene, auf dem wir uns ausprobieren können. Was für eine Wirkung habe ich auf andere? Fühlt sich die Gruppe sicher an? Wenn ja, was macht der Unterschied zu anderen Gruppen? Wenn nein, was brauche ich im Moment um mich sicher zu fühlen?
    • Die Individualität und den authentischen Ausdruck jedes einzelnen Teilnehmer stärken – etwa durchs Setzen klarer Grenzen oder dem Einnehmen von mehr Raum – und so die Autonomie zu einem festen Bestandteil der persönlichen Erfahrung machen.

 

Wenn die Bedürfnisse von Sicherheit und Autonomie in einem inneren Konflikt sind, braucht es eine Möglichkeit, beides gleichzeitig zu erleben, damit der Konflikt gelöst werden kann. Sicherheit und Autonomie bedingen sich gegenseitig und können nur in Balance zu unserem Wachstum als Menschen beitragen. Wenn wir aber beide Bedürfnisse gesund erleben und erfüllen können, dann wird es möglich wieder ganz spontan aus der Komfortzone zu treten!

Dann steht die Welt mit ihren wunderbaren Versprechen von Nervenkitzel, Neuheiten und versteckten Schätzen wieder offen!

Samuel Schüpbach leitet als Circling Facilitator seit 2018 Kurse und Workshops in der Schweiz. Seine Ausbildung bei Circling Europe umfassen zwei SAS Leadership & Embodiement Trainings, sowie das SAS Pro - Advanced Training. Seine Leitung ist dynamisch mit einer tiefen Präsenz und Neugier für die subtilen Ebenen der zwischenmenschlichen Beziehung

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